Im September leeren sich Südtirols Wege, die Luft ist klarer und die Almen haben noch geöffnet. Warum es mein Lieblingsmonat ist, was sich gegenüber dem Sommer ändert und wie man den Tag organisiert.
Müsste ich einen einzigen Monat zum Wandern in Südtirol wählen, wäre es der September: tiefes Licht, klare Luft, noch geöffnete Almen und deutlich weniger Menschen als im August. Es ist der Monat, in dem die Vorteile des Sommers bleiben und fast alle seine Nachteile verschwinden.
In der Planung ändert sich allerdings einiges: Die Tage sind kürzer, die Morgen in der Höhe kühler, und gegen Monatsende beginnt das Wetter dem Herbst zu ähneln. Hier steht, worauf man achten sollte, um ihn optimal zu nutzen.
Was den September vom August unterscheidet
Weniger Andrang auf den bekanntesten Wegen
Mit dem Ende der Sommerferien atmen die Parkplätze der klassischen Ausgangspunkte auf, und die Wege leeren sich, vor allem unter der Woche. Touren, die man im August besser im Morgengrauen angeht, um Schlangen zu vermeiden, lassen sich gemächlicher gehen, ohne das Gefühl, im Gänsemarsch unterwegs zu sein.
Licht und Luft
Die tiefere Sonne zeichnet die Dolomitenwände schärfer und verlängert die Schatten auf den Wiesen, und an klaren Tagen ist die Fernsicht in der Höhe oft besser als im Hochsommer. Für alle, die mit Kamera unterwegs sind, ist es der großzügigste Monat des Jahres.
Die Hitze ist kein Thema mehr
Im Tal geht man auch zur Tagesmitte angenehm, und an sonnigen Hängen muss man nicht mehr dem Schatten hinterherlaufen. Umgekehrt gilt es für die frühen Stunden: In der Höhe können die Morgen kalt sein, und eine warme Schicht im Rucksack ist nicht mehr optional.
Was sich bei der Tagesplanung ändert
- Kürzere Tage. Es wird früher dunkel als im Sommer: Eine lange Wanderung sollte trotzdem früh starten, damit beim Rückweg Puffer bleibt.
- Kühle Morgen, milde Nachmittage. Ein Start im Morgengrauen ist nicht mehr wegen der Hitze nötig, bleibt aber wegen Licht und Zeitplan sinnvoll.
- Weniger Gewitter, wechselhafteres Wetter am Monatsende. Wärmegewitter am frühen Nachmittag werden seltener; dafür können gegen Ende September in der Höhe die ersten Herbstfronten kommen und über 2.000 Metern auch etwas Neuschnee.
- Öffnungszeiten von Almen und Hütten. Viele haben den ganzen Monat geöffnet, aber die Zeiten können kürzer werden, und manche schließen schon zum Saisonende. Vor dem Aufbruch lohnt sich immer ein Blick auf die aktuellen Zeiten.
September im Vergleich zu August und Oktober
| August | September | Oktober | |
|---|---|---|---|
| Andrang | Der höchste des Jahres | Deutlich geringer, vor allem unter der Woche | Gering |
| Temperaturen | Heiß im Tal | Tagsüber mild, morgens in der Höhe frisch | Frisch, morgens kalt |
| Almen und Hütten | Alle geöffnet | Meist noch geöffnet | Viele Almen schließen um die Monatsmitte |
| Licht | Flach zur Tagesmitte | Tief und streifend | Tief, mit gelb werdenden Lärchen |
| Im Blick behalten | Nachmittagsgewitter | Kürzere Tage | Erster Schnee in der Höhe und Schließungen |
Wo man im September wandert
Im September empfehle ich genau die Touren, von denen ich im August wegen des Andrangs abrate. Der Leitfaden zu den Wegen im Villnösstal nennt Distanzen, Höhenmeter und Gehzeiten der vier Routen, die ich am häufigsten vorschlage, und in diesem Monat passen sie alle.
Besonders der Weg unter den Geislerspitzen zeigt ein anderes Gesicht: Die Nordwand bekommt ein weicheres Licht, und auf der Geisleralm findet man leichter einen Platz, auch wenn Reservieren weiterhin sinnvoll ist. Wer ihn mit Führung gehen möchte, findet hier die geführte Wanderung auf dem Adolf-Munkel-Weg im Villnösstal.
Bei Touren über 2.000 Meter, etwa von der Zanser Alm zur Schlüterhütte, gilt: Die Saison der hochgelegenen Hütten endet meist Anfang Oktober. Der September ist das letzte bequeme Zeitfenster, um sie bei geöffneter Hütte zu gehen.
Was im September in den Rucksack gehört
- Eine richtig warme Schicht, nicht nur ein leichtes Shirt: Morgens und im Schatten spürt man in der Höhe die Kälte.
- Wind- und Regenjacke, immer, auch bei guter Prognose.
- Leichte Mütze und Handschuhe für hohe Touren, vor allem gegen Monatsende.
- Eine Stirnlampe: Bei kürzeren Tagen eine zusätzliche Sicherheit, falls der Rückweg länger dauert.
- Sonnenschutz: Die Sonne steht tiefer, aber in der Höhe brennt sie noch.
- Wasser: etwas weniger als im August, aber nie zu wenig.
In diesem Monat lohnen sich Gruppentouren am meisten: ruhige Wege, ein Rhythmus ohne Eile und Zeit zum Stehenbleiben und Schauen. Die Routen, die ich anbiete, findest du bei den geführten Tageswanderungen in Südtirol.
Zwei typische Fehler im September
- Sich wie im August anziehen. Der Tag kann im Tal warm und am hochgelegenen Ausgangspunkt kalt sein: Wer im T-Shirt und ohne warme Schicht losgeht, merkt es bei der ersten Rast.
- Den Rückweg nach Sommerzeiten planen. Eine Wanderung, die im Juli bei vollem Tageslicht endete, kann Ende September in der Dämmerung enden. Vor dem Start lohnt ein Blick auf die echten Gehzeiten und die Uhrzeit des Sonnenuntergangs, nicht nur auf das Wetter.
Häufige Fragen
Ist der September ein guter Monat zum Wandern in Südtirol?
Ja, für viele der beste: weniger Andrang als im Sommer, mildere Temperaturen, tiefes Licht und meist noch geöffnete Hütten. Die Tage sind aber kürzer, deshalb lohnt sich ein früher Start auch ohne Hitze.
Haben die Almen im September geöffnet?
In der Regel ja, viele den ganzen Monat. Öffnungszeiten und Schließungstermine sind aber von Betrieb zu Betrieb verschieden, und manche schließen schon Ende September: Besser vorher prüfen, bevor man den Tag um eine Einkehr plant.
Wie ist das Wetter im September in den Südtiroler Bergen?
Meist tagsüber mild und morgens frisch, mit selteneren Nachmittagsgewittern als im Sommer. Gegen Monatsende können in der Höhe die ersten Herbstfronten kommen, über 2.000 Metern auch mit etwas Schnee.
September oder Oktober?
September, wenn man geöffnete Hütten und längere Tage möchte; Oktober, wenn man die Farben der Lärchen sucht und kurze Tage, kalte Morgen und viele ab Monatsmitte geschlossene Almen in Kauf nimmt.
Zum Vergleich mit dem vollsten Monat gibt es den Artikel über Wandern in Südtirol im August zwischen Andrang und Hitze.
Und wer nicht über Zeiten und Route nachdenken möchte: Planen wir gemeinsam eine geführte Wanderung in Südtirol, abgestimmt auf deine Gruppe.