Wandern im Villnösstal: welcher Weg ist der richtige

7 Min. Lesezeit von Amministratore

Vier Routen im Villnösstal mit echten Distanzen, Höhenmetern und Zeiten — und den Kriterien, nach denen ich auswähle: vom Adolf-Munkel-Weg bis zur tiefen Runde bei St. Magdalena.

Wenn du einen ganzen Tag Zeit hast und die Geisler-Nordwand vor Augen haben willst, ist der Adolf-Munkel-Weg die richtige Wahl: rund vier Stunden Gehzeit, moderate Höhendifferenz, zwei Almen am Weg. Hast du nur einen halben Tag oder bist mit kleinen Kindern unterwegs, liefert die tiefer gelegene Runde zwischen St. Magdalena und St. Johann in Ranui dieselbe Landschaft mit einem Drittel des Aufwands.

Ich begleite seit mehreren Saisonen Gruppen in dieses Tal, und die Frage, die mich erreicht, lautet fast nie „welcher ist der schönste Weg“. Sie lautet „welcher Weg ist heute der richtige für mich, bei diesem Wetter und mit diesen Beinen“. Das sind zwei verschiedene Fragen. Hier stehen die vier Routen, die ich am häufigsten vorschlage, mit den echten Zahlen und den Kriterien, nach denen ich auswähle.

Wo das Villnösstal liegt und wie man hinkommt

Das Villnösstal zweigt bei Klausen vom Eisacktal ab und steigt rund fünfzehn Kilometer nach Osten an, hinten abgeschlossen von der Geislergruppe. Die beiden Hauptorte sind St. Peter und St. Magdalena; die asphaltierte Straße endet an der Zanser Alm auf etwa 1.680 Metern, zugleich das Eingangstor zum Naturpark Puez-Geisler, innerhalb des UNESCO-Welterbes Dolomiten.

  • Mit dem Auto: Brennerautobahn A22, Ausfahrt Klausen/Grödnertal, dann rund zwanzig Minuten Talstraße.
  • Mit Bahn und Bus: Bahnhof Klausen an der Brennerlinie, weiter mit dem Linienbus nach Villnöss und St. Magdalena. Das empfehle ich in der Hochsaison.
  • Parken: An der Zanser Alm und in Ranui gebührenpflichtig, und die Plätze füllen sich früh. In den Hochsommermonaten kann die Zufahrt zum Talschluss geregelt sein: Es lohnt sich immer, die aktuelle Lage vorher zu prüfen.

Die vier Routen, die ich am häufigsten empfehle

1. Der Adolf-Munkel-Weg — der Klassiker

Start an der Zanser Alm oder in Ranui, dann durch den Gürtel aus Wald und Latschen am Fuß der Geisler-Nordwand, vorbei an der Geisleralm und der Gschnagenhardt Alm. Als Runde ergeben sich rund 10 Kilometer und 450–500 Höhenmeter, gut vier Stunden Gehzeit samt Pausen.

Wanderniveau, guter Untergrund, keine ausgesetzten Stellen. Besonders ist nicht die Höhe — man bleibt unter 2.000 Metern —, sondern der Blickwinkel: Man geht unter den Zacken, mit dem Sass Rigais (3.025 m), der wenige hundert Meter darüber aufragt. Dieses Verhältnis zum Fels hat man von oben nicht.

Praktischer Rat: früh losgehen. Zwischen zwölf und zwei sind die beiden Almen voll und das Licht auf der Wand ist das schlechteste des Tages.

2. Die Runde St. Magdalena und St. Johann in Ranui — die meistfotografierte

Knapp sechs Kilometer, rund 200 Höhenmeter, zwei gemütliche Stunden. Diese Runde führt zum Kirchlein St. Johann in Ranui, einer barocken Kapelle aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, einsam auf der Wiese mit den Geislerspitzen im Rücken, und zum berühmten Aussichtspunkt auf die Kirche von St. Magdalena.

Zwei Hinweise, die Enttäuschungen ersparen. Die Wiese von Ranui ist Privatbesitz: Der Zugang zum Fotopunkt wird von den Eigentümern geregelt und ist in der Saison kostenpflichtig — vom öffentlichen Weg aus sieht man die Kirche trotzdem, nur aus einem anderen Winkel als auf den Postkarten. Und der Aussichtspunkt auf St. Magdalena liegt nicht im Dorf: Man erreicht ihn über den Weg Richtung Talschluss, zehn Gehminuten weiter.

Das ist die Route, die ich für den ersten Urlaubstag vorschlage, mit Kindern, oder wenn das Nachmittagswetter unsicher ist.

3. Von der Zanser Alm zur Schlüterhütte — für alle, die Höhe wollen

Rund 11 Kilometer hin und zurück, 650 Höhenmeter, fünf Stunden. Vom Talboden steigt man zur Schlüterhütte auf 2.297 Meter auf, am Rücken Richtung Kreuzkofeljoch und Gadertal.

Hier verlässt man den Wald wirklich: Der letzte Abschnitt ist offen, das Gelände alpin, und an klaren Tagen reicht der Blick vom Peitlerkofel bis zu den Gipfeln des Ahrntals. Die Hütte ist in der Regel von Anfang Juni bis Anfang Oktober geöffnet; außerhalb dieses Fensters findet man normalerweise Restschnee in den schattigen Rinnen, und die Route ändert ihren Charakter.

4. Die Almenrunde ab der Zanser Alm — der halbe Tag

Fünf Kilometer, 450 Höhenmeter, rund zweieinhalb Stunden. Der Weg, der die Wiesen und Almen rund um die Zanser Alm verbindet, größtenteils auf breitem, gleichmäßigem Untergrund. Der Untergrund ist einfach, aber die Höhenmeter sind da: Das ist kein Talbodenspaziergang. Ich schlage diese Runde vor, wenn man die Almen sehen will, ohne den ganzen Tag zu verplanen. Wer es wirklich flach möchte: An der Zanser Alm beginnt auch der Naturerlebnisweg — kurz, barrierefrei und kinderwagentauglich.

RouteLängeAufstiegZeitFür wen
Adolf-Munkel-Weg~10 km~470 m4 Std.Ganzer Tag, trainierte Beine
Runde St. Magdalena – Ranui~6 km~200 m2 Std.Familien, halber Tag, unsicheres Wetter
Zanser Alm – Schlüterhütte~11 km hin/zurück~650 m5 Std.Wer Höhe und weite Sicht sucht
Almenrunde~5 km~450 m2,5 Std.Halber Tag, um die Almen zu sehen

Wann hinfahren

  • Juni: Die Talwiesen sind auf ihrem Höhepunkt, doch auf den höheren Routen kann an Nordhängen noch Schnee liegen.
  • Juli und August: alles offen, Almen in vollem Betrieb — und viele Menschen. Vor neun Uhr loszugehen verändert das Erlebnis vollständig.
  • September: mein Lieblingsmonat. Flaches Licht, klare Luft, Almen noch geöffnet, halb so viele Leute.
  • Oktober: Die Lärchen färben sich gelb und das Tal ist großartig, doch die Tage werden kürzer und viele Almen schließen um die Monatsmitte.
  • Winter: Das Tal ist wunderschön und die Wege sind gespurt, aber es sind nicht dieselben Routen: Es braucht Schneeschuhe oder Grödel und eine Einschätzung der Schneelage.

Was in den Rucksack gehört

  • Berg- oder Wanderschuhe mit profilierter Sohle. Turnschuhe auf feuchtem Untergrund sind der häufigste Grund für Ausrutscher.
  • Wind- und Regenjacke, auch bei guter Prognose: Über 1.500 Metern schlägt das Wetter schnell um.
  • Eine warme Schicht. Auf den Almen, im Schatten, ist es auch im August frisch.
  • Mindestens eineinhalb Liter Wasser pro Person.
  • Sonnenschutz und Hut: Die Strahlung in der Höhe ist eine ganz andere Sache.
  • Stöcke, vor allem im Abstieg.
  • Bargeld: Nicht jede Alm nimmt Karten.
  • Karte oder offline geladener GPS-Track. Empfang gibt es nicht überall.

Drei Fehler, die ich am häufigsten sehe

Der erste: die Zeit nach der Distanz zu berechnen statt nach den Höhenmetern. Zehn Kilometer im Flachen und zehn Kilometer mit fünfhundert Metern Anstieg sind zwei verschiedene Dinge.

Der zweite: die Tour um ein Foto herum zu planen. Das Kirchlein von Ranui ist wunderschön, aber wenn der Plan nur darin besteht, den Fotopunkt zu erreichen, ist man eine Stunde für einen Fünf-Minuten-Stopp gefahren.

Der dritte: die Nachmittagsgewitter nicht einzuplanen. Im Sommer sind Wärmegewitter in den Bergen die Regel und nicht die Ausnahme: Wer um sieben startet, kommt trocken heim, wer um elf startet, fast nie.

Lieber nicht selbst organisieren?

Ich begleite kleine Gruppen auf diesen Routen und passe Tempo und Länge an die Teilnehmer an. Sieh dir die Touren im Programm an oder schreib mir, und wir stellen den Tag gemeinsam zusammen.

Häufige Fragen

Wie lange dauert der Adolf-Munkel-Weg?

Als Runde ab der Zanser Alm braucht man rund vier Stunden reine Gehzeit für etwa zehn Kilometer und 450–500 Höhenmeter. Mit Einkehr auf den beiden Almen sollte man insgesamt fünf bis sechs Stunden einplanen.

Ist das Villnösstal für Kinder geeignet?

Ja, bei der richtigen Routenwahl. Am besten für kleine Kinder eignet sich der Naturerlebnisweg Zans: eine kurze, fast ebene Runde im Naturpark Puez-Geisler, auf der man die faszinierende Flora und Fauna des Tals an vierzehn Infostationen entdeckt, einige davon auch in Brailleschrift. Der Untergrund ist fest und kinderwagentauglich, und es war der erste Naturlehrpfad Südtirols, der auch mit dem Rollstuhl befahrbar ist. Auch die Runde St. Magdalena–Ranui passt gut. Die Almenrunde und der Adolf-Munkel-Weg sind für gehgewohnte Kinder machbar, etwa ab sieben bis acht Jahren.

Braucht man für den Adolf-Munkel-Weg einen Führer?

Technisch nein: Der Weg ist markiert und hat keine ausgesetzten Stellen. Ein Führer ist aus einem anderen Grund sinnvoll — um zu lesen, was man durchquert: Geologie der Dolomiten, Almwirtschaft, Tierwelt — und um Wetter und Gruppentempo zu steuern, ohne dass du dich darum kümmern musst.

Kommt man ohne Auto ins Villnösstal?

Ja. Mit der Bahn bis Klausen an der Brennerlinie, dann weiter mit dem Linienbus nach St. Peter und St. Magdalena, in der Hochsaison mit Fahrten bis zur Zanser Alm. Im Sommer ist das oft bequemer als die Parkplatzsuche.

Wann fotografiert man St. Magdalena am besten?

In der ersten Stunde nach Sonnenaufgang, wenn das flache Licht die Geislerwand trifft und der Talboden noch im Schatten liegt. Bei Sonnenuntergang steht die Kirche im Gegenlicht: schön, aber ein anderes Foto.

Wenn dich der Rest meiner Arbeit interessiert: Im Blog findest du auch einen Beitrag zur Nordic-Walking-Technik und einen über die Vogelbeobachtung im Po-Delta, der anderen Hälfte meines Gebiets.

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